Die Luisenburg -                                                         bürgerlich-romantischer Felsengarten des 17. Jts.

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Vor den Toren der Stadt Wunsiedel inmitten des Fichtelgebirges gibt es einen vergessenen Landschafts-garten aus der Frühromantik - nicht vom Adel erstellt, sondern von Wunsiedler Bürgern - ohne Anbindung an ein Schloss, einen Hof oder eine Residenz. Genauer gesagt ein bürgerlich romantischer Felsengarten des frühen 17. Jahrhunderts. Er existiert in Europas grösstem Felsenlabyrinth auf der Luisenburg

 

Eine bisherige, relativ unbekannte Geschichte aus dem Bereich aller bisher beschriebenen Landschaftsgärten - selbst bei der Eigentümerin der Stadt Wunsiedel nachlässig behandelt. Sie vermarktet das Labyrinth nur als Naturwunder und "grösstes Felsenlabyrinth Europas". Über den bürgerlich-romantischen Felsensgarten wird kaum etwas berichtet.

Und genau deshalb ist dringender Aufklärungsbedarf notwendig. 

 

Die Luisenburg bei Wunsiedel im Fichtelgebrige ist nicht nur wegen seiner Festspiele, sondern auch wegen ihrer besonderen Felsformationen als europaweites grösstes Felsenlabyrinth bekannt (Geopark). Andererseits führen Wunsiedler Bürger bereits, archivarisch nachweislich, im Jahr 1665 auf dem "Margarethenfelsen" ihre Fest-Spiele auf, deren belegte Anfänge bis ins frühe 16. Jahrhundert (1557) zurückreichen. Das "Margarethen-fest" war im Umkreis bei der Bevölkerung sehr beliebt und kann schon damals als touristischer Anziehungspunkt bezeichnet werden. Es wurden Rasenbänke angelegt, Stauden und Hecken gepflanzt, Sichtachsen festgelegt - wichtige Elemente einer "architektonischen Gartenkunst" (GOETHE). Weiterhin wurden Wege und Treppen geschaffen, was die Natur nicht vermag, und bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1740) führte der Amtshauptmann von Lindenfels Sprengungen durch, "um Höhlen begehbar zu machen" (SOMMERER). Danach wurde das Labyrinth als bürgerlich-romantischerer Landschaftsgartenn intensiv umgestaltet. Einer der Hauptinitiatoren in dieser Zeit war Florentin Theodor Schmidt, Kaufmann und Zuckerschmuggler. Die gärtnerischen Anlagen wurde von bekannten Besuchern wie Goethe, Jean Paul, Humboldt, Hardenberg oder Wackenroder und Tieck, aber auch von fürstlichen Herrschaften wie dem Königspaar Friedrich Willhelm III. und Louise von Preußen oder der Fürstin von Weilburg-Nassau besucht und gerühmt. 1805 wurde die Losburg oder Luxburg anlässlich des Besuches der preussischen Königspaares und zum Andenken der beliebten Königin umbenannt in Luisenburg.

 

Sehr Vieles ist in Folge mangelnder Pflege der Anlagen, selbst von Einheimischen vergessen worden (aktuelles Beispiel: die Weldengrotte oder Eremitenhöhle).

 

Die Studentin Nikola Deutrich von der Hochschule Anhalt schrieb eine Diplomarbeit dazu: „Die Luisenburg – ein bürgerlicher Landschaftsgarten“ (2003), betreut von Prof. Rainer K. Schöffel (Erstbetreuer) und Prof. Dr. Karl Braun (Zweibetreuer). Sie stellt die chronologische Entwicklungs-geschichte der Luisenburg als bürgerlicher Landschaftsgarten dar. Dies geschieht anhand von historischen Beschreibungen Aufzeichnungen, Plänen sowie Bildmaterial. 

Das Besondere des Landschaftsgartens Luisenburg ist jedoch die Tatsache, dass er von Bürgerlichen im frühen 17. Jahrhundert initiiert, ausgeführt und unterhalten wurde (im Gegensatz zu allen anderen bisher beschriebenen Landschaftsgärten!). Eine Einmaligkeit in Deutschland, weil in dieser Zeit derartige Gartenanlagen immer an ein Schloss, einen Hof oder eine Residenz angebunden waren, das heißt Adeligen vorbehalten waren. 

 

Das Felsenlabyrinth als bürgerlich-romantischer Felsengarten ist also ein Meilenstein in der Demokratisierung der Gartenkunst und wirft ein neues Licht auf das Verhältnis des Bürgertums zu den Begriffen Natur, Landschaft und Garten. Zum besseren Verständnis des Zeitgeistes, der einen bürgerlichen Landschaftsgarten entstehen lassen konnte, werden politische, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen der damaligen Markgrafschaft Bayreuth, aber auch Deutschlands und Europas, erörtert und parallel zu den Entwicklungen im Garten dargestellt. Zu nennen sind beispielsweise die Felsformationen "Zuckerhut", "Napoleonshut/Schiff" und "Insel Helgoland". Es handelt sich um in-Stein-gemeisselte Politik.

 

Frau Nikola Deutrich hat sich anlässlich ihrer Diplomarbeit (2002/2003) an der Hochschule Anhalt (FH) intensiv mit dem Thema beschäftigt:

Die Luisenburg - ein Bürgerlicher Landschaftsgarten ohne Schloss.

Nikola Deutrich; 2003: die Luisenburg - ein Bürgerlicher Landschaftsgarten ohne Schloss
Inhalt,Vorwort,Anlass,Einleitung.pdf
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Nikola Deutlich 2003
Kap. 5.6-Zusammenfassung.pdf
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