Professor Rainer K. Schöffel
Professor Rainer K. Schöffel

Plastikwörter als Verfälschung von Argumenten

Plastikwörter (Pörskens, Uwe; 1988) deshalb, weil sie inhaltsleer sind und absichtlich Argumente verfälschen. Auch die Unterschiede der Mitteilungen sollen nivelliert werden, um in der Diskussion jeden Widerspruch als ausschliessliches Missverständnis erklären zu können.

 

Mit dieser Nivellierung und Entdifferenzierung der Sprache werden die Unterschiede verwischt, damit sich niemand mehr an die Unterschiede, die Differenzen, erinnere. Der `Konsens´wird sprachlich durchgesetzt und im Zweifelsfalle als Notwendigkeit wachsender `Komplexität´ erzwungen. Der Apparat suggeriert Einverständnis, in dem er den `Getäuschten´Zustimmung abverlangt.

 

So wird `Entwerfen´mit `Planen´gleich gesetzt. Entwickeln, Integrieren, Komplexität, Prozess, Konzeption, Modell, Entwurf, Multifunktionalität, Erlebnisraum - das sind einige `Plastikwörter´aus dem Sprachgebrauch der `Entwerfer´, die zur Tarnung die `Planung´im Schilde führen.

 

Wie Politiker verweisen Entwerfer immer auf eine Zukunft: aus der sogenannten Talsohle auf den Berg der Hoffnung. Diese Gemein-samkeit schafft das unausgesprochene Einverständnis zwischen Politikern und Entwerfern. Diese Fortschritts- und Verheissungskultur muss von der Gegenwart ablenken, in dem diese an der Verheissung gemessen wird; die Vergangenheit - die Geschichte im Sinne der Erfahrung - wird ausgeblendet, um auf eine idyllische Zukunft verweisen zu können.

 

(siehe auch Hülbusch, K.-H.; Notizbücher der Kasseler Schule. Hg. von der AG Freiraum und Vegetation. Kassel.

Pörskens, Uwe; 1988: Plastikwörter. Die Sprache einer internationalen Diktatur. Klett-Cotta. Stuttgart.

 

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